TFP – ein leidiges Thema

Juni 16, 2016 reinhard Uncategorized 0 comments

Es gibt wohl kaum ein Thema – sowohl unter Fotografen, wie auch unter Models – das so sehr polarisiert wie das Thema TFP. Zuerst einmal ganz kurz zur Begriffsdefinition für alle, die nicht wissen was TFP ist. Diese drei Buchstaben stehen für „Time for Print“ und bedeuten nichts anderes, als dass das Model in ein Shooting Zeit investiert und der Fotograf gibt dafür Prints (früher zumindest) heute gibt es die Bilder üblicherweise in digitaler Form, weshalb auch immer wieder der Begriff TFCD verwendet wird. Ändert aber grundsätzlich nichts an der Bedeutung und im Klartext heisst es, dass einfach bei einem Shooting kein Geld fliesst.

Nun ist es aber so, dass über das Thema immer wieder gestritten wird. Denn es gibt natürlich Fotografen, die von Ihrer Arbeit leben müssen und auch Models, die das Ganze etwas ernsthafter anstreben, als einfach nur ein paar Bilder zu bekommen. Beide wollen Geld bekommen und genau hier hört einfach für viele das Hobby auf.  Da ich nun mal selber Fotograf bin will ich es einfach mal aus Fotografensicht betrachten. Also Fotograf muss man natürlich enorm viel investieren um auch ordentliche Arbeit abliefern zu können. Das fängt natürlich damit an, dass man entsprechendes Equipment braucht, viel Zeit und Geld in Workshops, Ausbildung, Tutorials, etc. investiert und richtig teuer wird es natürlich, wenn ein Studio hinzukommt. Miete, Unterhalt, Steuern, Werbung, Genossenschaftsabgaben, etc. etc. Natürlich muss das alles finanziert werden und natürlich muss man in erster Linie Geld erwirtschaften. Wenn man seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie bestreiten will funktioniert es zumeist eh nicht Fotoshootings auf TFP-Basis anzubieten.
Aus der Modelsicht ist es auch den ersten Blick vielleicht einfacher, nicht ganz so kostspielig, aber auf jeden Fall mit weniger Risiko behaftet. Trotzdem haben natürlich auch Models ihre Kosten wie Outfits, Make-Up, Ausbildung etc. Ich will jetzt hier nicht drauf rumreiten, wieviel höher die Kosten für Fotografen sind, das macht jetzt hier keinen Sinn. Was ich damit sagen will, ist einfach nur, dass beide Parteien kosten haben.

Warum sollte nun sowohl von Model als auch Fotografen ein TFP-Shooting angestrebt werden, wenn man doch lieber Geld verdienen will. Dafür kann es natürlich mehrere Gründe geben, aber der entscheidende ist zweifellos für Modelle, dass sie Bilder bekommen, mit denen sie ihre Sedcard bzw. ihr Portfolio erweitern können und natürlich für die Selbstvermarktung. Genau das Selbe gilt natürlich auch für Fotografen. Ein Fotograf kann Kundenfotos oft nur bedingt für die Eigenwerbung nehmen und ein weiterer Punkt ist natürlich, wenn bestimmte Sachen, wie Lichtsetzung etc. ausprobiert werden müssen. Und das Ganze gilt natürlich sowohl bei Fotografen wie auch Models, bei Profis wie auch bei Amateuren.

Ihr seht also, TFP kann durchaus für beide Seiten Sinn machen und wenn jemand sagt, er würde niemals TFP machen, dann zeugt das in meinen Augen von mangelnder Professionalität. Ein ganz entscheidender Punkt ist aber, dass die beiden Seite irgendwo in gewisser Weise die Ansprüche der anderen Seite abdecken sollten, denn sonst macht es absolut keinen Sinn. Bei den Models, wenn sie einen Fotografen auf TFP-Basis suchen, dann sollte es ein Fotograf sein, der durch Kreativität und Können das Portfolio erweitern kann. Und aus Fotografensicht ist es so, dass ein Model es auch irgendwo rechtfertigen kann, weshalb sie jetzt dem Fotografen keine Gage zahlt. Ich hatte es eingangs bereits erwähnt, dass natürlich auch ein Model Ausgaben hat. Und genau das ist der Knackpunkt. Wenn ein Model keine Erfahrung mitbringt, zwei unterschiedliche Outfits von der Stange hat und kein erstklassiges Styling hinbekommt, dann macht das im Normalfall für einen guten Fotografen auch keinen Sinn. Die Gleichung geht hier einfach nicht auf. Wenn ich ein TFP-Shooting annehme, dann muss mich das Model absolut überzeugen, Bereiche abdecken, die nicht alltäglich sind, und super Outfits haben. Dann kann das eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit sein.

Es macht übrigens auch durchaus Sinn, wenn Fotografen und Models langfristig zusammenarbeiten. Es gibt hier viele Beispiele von Fotografen und Models, welche sich im Laufe der zeit zu wahren Höchstleistungen gepusht haben. Vor allem auch was die gegenseitige Vermarktung betrifft. Aber es sollte eben so sein, dass das Ganze für beide Seiten Sinn macht.

An die Mädels gerichtet, welche gerne mit TFP anfangen wollen, kann ich nur appellieren, dass es für eine Anfängerin dann sinnvoller ist, sich auch Anfängerfotografen zu suchen, oder wenn man richtig durchstarten will, dass man auch mal ein paar Euro in ein Fotoshooting investiert, denn das zahlt sich dann auch in doppelter Hinsicht aus.

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